Kundenbedürfnisse antizipieren – Sommerzirkel-Interview mit Peter Liedtke

Ein Stammgast beim Open Innovation Sommerzirkel ist Peter Liedtke, Geschäftsführer der Bezirksverwaltung Süd bei der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft. Wir haben mit ihm darüber gesprochen, warum er regelmäßig den OISZ besucht und wie er sich innovativ hält.

Die BG BAU ist die gesetzliche Unfallversicherung für die Bauwirtschaft und baunahe Dienstleistungen in Deutschland. Sie bildet, wie die Kranken- und Rentenversicherung, eine Säule im deutschen Sozialversicherungssystem. Sie fördert Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz im Betrieb sowie am Arbeitsplatz und vermeidet so Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten.

Der Tunnelblick ist zwar keine Berufskrankheit, aber ein Problem, mit dem sich Führungskräfte regelmäßig auseinandersetzen müssen, um stets den freien Blick auf die Kundenbedürfnisse von morgen zu haben. Die Initiatorinnen des Open Innovation Sommerzirkel (OISZ) 2014 – Birgit Heinermann und Anke Meyer-Grashorn – haben sich mit Peter Liedtke darüber unterhalten, wie man dem Tunnelblick vorbeugen und innovativ bleiben kann:

Was ist für Sie das Besondere am Open Innovation Sommer Zirkel?
Peter Liedtke: „Fünf Gründe führen mich jedes Jahr zum OISZ: Erstens: Ich nehme mir Zeit, die ich mir für das wichtige Thema Innovation sonst nur selten nehme. Zweitens: Ich treffe eine große Anzahl an kreativen Köpfen aus ganz anderen Branchen. Drittens: Ich erhalte Anregungen, Denkanstöße und Inspiration, während ich anderen Anregungen, Denkanstöße und Inspiration anbiete. Viertens: Ich genieße die urige Location, die Ruhe und die Gastfreundschaft mitten im Allgäu. Und schließlich fünftens: Ich gehe regelmäßig mit mehr Ideen nachhause, als ich Fragen mitgebracht habe!“

Welche Bedeutung hat für Sie als Innovationsverantwortlicher die Arbeit mit Trends und anderen Zukunftsinstrumenten für den Innovationsprozess und die Innovationsqualität?
Peter Liedtke: „Die Arbeit mit Trends und anderen Zukunftsinstrumenten löst den Blick aus der Binnensicht und lässt uns das künftige Verhalten, die Bedürfnisse und Anforderungen unserer Mitgliedsunternehmen und unserer Versicherten besser antizipieren.“

Wie wichtig sind „Querdenker“ in Ihrem Team?
Peter Liedtke: „Querdenker stellen etablierte Verfahren und konformes Denken in Frage. Sie geben sich nicht mit dem Althergebrachten und dem immer Gleichen zufrieden.
Sie zwingen uns zu einer regelmäßigen Auseinandersetzung mit dem Status Quo und locken uns aus unseren Komfortzonen. Der Umgang mit Querdenkern ist mindestens anstrengend, manchmal sehr zeitaufwändig, führt aber sehr oft zu wichtigen Erkenntnissen und Einsichten sowie mittelbar zu sinnvollen und zweckmäßigen Lösungen.“

Wie halten Sie Mitarbeiter mit Potential/Leistungsträger in Ihrem Team/Unternehmen?
Peter Liedtke: „Da hier die finanziellen Möglichkeiten einer Körperschaft des öffentlichen Rechts begrenzt sind, sind ein Höchstmaß an Eigenverantwortlichkeit, die Beteiligung an übergeordneten Entscheidungen, regelmäßige, gegenseitige Information, Wertschätzung und das Erzielen gemeinsamer Erfolge besonders wichtig, um Leistungsträger an uns zu binden.“

Aus Ihrer Erfahrung: Benötigen Innovationsteams besondere Arbeitsumgebungen, um erfolgreich zu sein?
Peter Liedtke: „Wir haben festgestellt, dass das von unseren Kolleginnen und Kollegen – auch themenbezogen – ganz unterschiedlich empfunden wird. Unsere Arbeitsumgebung ist technisch und ergonomisch zwar up-to-date, aber doch konventionell. Wir haben allerdings gute Erfahrungen damit gemacht, das tägliche Umfeld für Workshops komplett zu verlassen und damit das gewohnte Denken auch…!“

Vielen Dank!

Hintergrundinformation Peter Liedtke:
Peter Liedtke ist Geschäftsführer der Bezirksverwaltung Süd bei der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft. Er hat Finanzwirtschaft und Wirtschaftsinformatik studiert, war einige Jahre als CIO für die IT der BG BAU verantwortlich und leitet mit der BV Süd seit zwei Jahren eine Organisationseinheit mit ungefähr 1.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.