Open Innovation Sommerzirkel 2014 – Teil 3: Innovation für Geschäftsmodelle

Open Innovation Sommerzirkel 2014 – Teil 3: Innovation für Geschäftsmodelle

Der Tag zwei des Open Innovation Sommerzirkels 2014 widmete sich dem Thema „New Business – Geschäftsmodelle von morgen“. Unser Tool für den Vormittag: Der Business Model Canvas!

Ganz einfach gesagt: Wer sein Geschäftsmodell überdenken will, kann mit einer Postervorlage und vielen Post-Its ganz spielerisch unterschiedliche Varianten durchdenken oder generell neue Designs entwerfen. Es ist ein wunderbar einfaches Werkzeug, mit dem ich in meiner Arbeit als Innovationsberaterin schon vielen Unternehmen dabei helfen konnte, ein Geschäftsmodell zu visualisieren, auf Herz und Nieren zu prüfen oder weiterzuentwickeln. Die Idee stammt von Alexander Osterwalder, der das Modell in dem Buch „Business Model Generation“  für alle, die veraltete Geschäftsmodelle hinterfragen und Innovationen auf den Weg bringen wollen, beschreibt.

Die neun Elemente des Business Model Canvas, die genauer unter die Lupe genommen werden, heißen Kundensegmente, Kundenbeziehungen, Kanäle, Wertangebote, Schlüsselaktivitäten, Schlüsselressourcen, Schlüsselpartner, Kostenstrukturen und Einnahmequellen. Und weil alles mit allem verbunden ist, hat das Wegnehmen oder Hinzufügen des einen oder anderen Post-Its in einem Segment jeweils Folgen in den anderen acht Segmenten.

Wie genau das funktioniert und welchen Spaß diese Methode macht, das haben wir in der anschließenden Gruppenarbeit erfahren, in der wir anhand von zwei konkreten Geschäftsmodellen eine Reihe von innovativen Veränderungen entwickelten.

Hier zeigte sich vor allem, wie erfolgreich der interdisziplinäre Ansatz des OISZ ist, denn die „Nicht-Spezialisten“ außerhalb des Elfenbeinturms waren viel offener für völlig neue Herangehensweisen. Das Feedback: „Das Modell funktioniert sofort: Schnell, einfach mit sofort umsetzbaren Ergebnissen!“, „Hier konnte ich gleich konkrete Anregungen für meine Arbeit mitnehmen!“ und „Es tut gut zu sehen, dass Unternehmen anderer Branchen ähnliche Probleme haben!“.

Wann haben Sie Ihr Geschäftsmodell zum letzten Mal unter die Lupe genommen?

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Sag mir wo Du hinwillst, dann zeig ich Dir den Weg – diese Navigation ermöglichte den Innovatoren auf dem Open Innovation Sommerzirkel 2014 der Vortrag von Martina Schwarz-Geschka, Partner und Senior Consultant bei der Geschka & Partner. Die Spezialistin für Szenarien stellte uns diese Grundlage für die mittel- bis langfristige Strategieentwicklung und -überprüfung für Unternehmen vor. Anschließend konnten wir Co-Creation live ausprobieren und genießen.

Szenarien liefern wichtige Ansatzpunkte für Entscheidungen über eine Technologie- und Innovationsstrategie, die Suche nach neuen Geschäftsfeldern sowie zu großen Investitionen. Die Szenariotechnik ist ein Instrument der Zukunftsanalyse. 1976 von Prof. Geschka und Mitarbeitern beim Battelle-Institut entwickelt, wird sie seitdem permanent weiterentwickelt und verbessert. Mit ihrer Hilfe werden alternative, konsistente Zukunftsbilder für ein bestimmtes Thema erstellt. In einem komplexen und dynamischen Unternehmensumfeld liefern Szenarien eine wichtige Orientierung für strategische Überlegungen und helfen, Unsicherheiten über zukünftige Entwicklungen und damit die Gefahr von Fehlentscheidungen zu reduzieren.

Um einen Eindruck zu bekommen, wie man mit der Szenariotechnik arbeiten kann, stellte Martina Schwarz-Geschka den OISZ-Besuchern die Aufgabe, ein Szenario rund um das Thema „Wissensmanagement 2030“ zu entwickeln. Sie untersuchten die Aspekte Gesellschaft, Technologie, Wirtschaft sowie Politik und Gesetzgebung.

Co-Creation am Grill
Nach so viel Inspiration verlegten wir die Innovationsarbeit an den Grill und bereiteten anhand der Pico-Job Methode von innosabi in Co-Creation-Manier köstliche Grillgerichte und Soßen nach den Lieblingsrezepten der Grill-Community zu.

Die Pico Jobs sind eine Methode, die in der Plattform innosabi crowd als “Crowd Supercharger” zum Einsatz kommt. Pico Jobs sind sehr kleine Aufgaben, die aus dem Produkt- und Serviceentwicklungsprozess abgeleitet werden und von einer großen Menge Kunden, Nutzer und Konsumenten über das Internet bearbeitet werden.

Die innosabi GmbH – Sponsor unseres Grillabends – ist ein Anbieter von Crowdsourcing- und Open Innovation Software und begleitenden Dienstleistungen. Dabei helfen innosabis Leistungen, Innovationsprozesse für externes Wissen zu öffnen und so das Floprisiko neuer Produkte zu senken. innosabis Kunden kommen aus den verschiedensten Branchen, z.B. HARIBO, dm-drogerie markt oder EDEKA. Darüber hinaus betreibt innosabi Deutschlands größte Produktentwicklungscommunity für die Konsumgüterindustrie unserAller. innosabi wurde 2011 durch das Wirtschaftsministerium mit dem Preis IKT-innovativ als innovativstes IKT StartUp ausgezeichnet.

Dass Co-Creation – also die Strategie, die Kunden nicht nur als passive Konsumenten zu sehen, sondern sie zu Wertschöpfungspartnern zu machen, indem sie Produkte oder Dienstleistungen mitgestalten und teilweise sogar deren Entwicklung und Herstellung bestimmen oder übernehmen – funktioniert, hat dieser Grillabend eindrücklich bewiesen: Fleisch, Soßen und Beilagen waren ein Gedicht und das gemeinsame marinieren, rühren und brutzeln knüpfte ganz neue Verbindungen.

Unterstützt wurden wir unser Co-Creation Barbeque von den Salzburger Stiergrillern  und den Grills der Firma COBB, die eines ihrer tollen Grillgeräte für eine Verlosung stifteten. Vielen Dank noch einmal dafür!

Wo haben Sie Co-Creation schon einmal ausprobiert?

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Glaskugeln gab es nicht – aber eine ganz besondere Gruppe von Menschen, die sich mit exklusivem Wissen rund um Trends und Zukunftswissen auf die Reise machte hin zu einer erfolgversprechenden, innovativen Zukunft: Der Open Innovation Sommerzirkel führte im September 2014 Innovatoren, Visionäre, Kreative und Vordenker unterschiedlichster Disziplinen zu einer ganz besonderen Veranstaltung in der Location Freiheit zusammen. In dieser fünfteiligen Serie werden wir Ihnen einen Einblick geben, wie ein solcher High-End-Event das Neue in die Köpfe bringt.

Auf zwölf inspirierende, vernetzende Veranstaltungen – Sommerzirkel und Firmenbesuche – können wir im Open Innovation Benchmarkzirkel bereits zurückblicken. Darauf sind Birgit Heinermann und ich sehr stolz! Deshalb stand zu Beginn des OISZ 2014 ein Rückblick mit Erinnerungen und Fotos von den einzelnen Aktivitäten von 2009 bis heute.

Schließlich ist so ein Open Innovation Event immer etwas ganz Besonderes, es entstehen immer neue Verknüpfungen – zwischen den Menschen und den Synapsen im Gehirn. Verknüpfungen, die nicht entstanden wären, wenn man über seine beruflichen Fragestellungen weiter in seinem eigenen Büro, mit den vertrauten Kollegen und mit den immer gleichen Werkzeugen – Besprechung, Block, Stift und PC – nachgedacht hätte.

Perspektivwechsel mit Profis
Weil Innovation einen speziellen Nährboden braucht, haben wir das sehr effektive Konzept der Open Innovation Zirkel entwickelt – in einer eigens dafür konzipierten Location, die keine Innovationswünsche offen lässt: Ein Bauernhof in der Nähe von München mit Gebäuden, die für die unterschiedlichsten Zwecke genutzt werden können: Da können auch mal Autos hineingefahren werden, viele oder wenige Leute sitzen, stehen, liegen, gehen, schreiben, nachdenken, reden, essen, basteln, malen, erfinden oder einfach nur sein – ganz in Erwartung der nächsten wirklich guten Idee. Ganz im Digital Detox-Modus, ganz im echten Leben.

Die Spur zur neuen Idee – die führte uns im September 2014 über Trends und Zukunftswissen. Dr. Pero Mićić, einer der führenden Experten für Zukunftsmanagement, zog uns zum Einstieg mit seiner spannenden Keynote mit dem Titel „Raus aus der Kurzfrist-Falle“ in den Bann. Er berichtete über die Ergebnisse aus seinem aktuellen Buch „Warum wir uns täglich die Zukunft versauen“, für das er übrigens den getAbstract International Book Award 2014 auf der Frankfurter Buchmesse erhielt. Anhand von Erkenntnissen aus Psychologie, Verhaltensökonomie und Neurowissenschaft zeigte der Zukunftsmanager anschaulich und einprägsam, wie wir die Kurzfrist-Falle im Kopf überwinden können.

Denn Menschen handeln unvernünftig: Couch oder Bewegung? Kredit oder Sparprogramm? Luxus-Auto oder Klimaschutz? Zahlreiche Studien belegen, dass wir fast immer die kurzfristig angenehmste Option wählen – auch wenn wir wissen, dass andere Alternativen langfristig sinnvoller wären. Das bringt jeden Einzelnen und die ganze Menschheit in größte Schwierigkeiten.

Um uns zukunftsintelligent zu verhalten plädierte Dr. Pero Mićić dafür, einen Plan für die erstrebte Zukunft zu erarbeiten, sozusagen eine Vorlage für unser Lebenspuzzle. Und das nicht nur für uns persönlich, sondern auch für unser Unternehmen. Eine Aufgabe, die sich nach seiner Erfahrung nicht delegieren lässt: „Was man machen lässt, ist nicht wirklich wirksam!“ sagte er mit einem kritischen Blick auf die vielen Führungskräfte, die den emotionalen Aufwand dafür scheuen und sich lieber für’s Tagesgeschäft engagieren.

„Führen ohne Zukunfts-Wir ist verwerflich!“ postulierte Dr. Pero Mićić und rief dazu auf, an unserer Willenskraft zu arbeiten: Sie zu schonen, zu stärken und zu erweitern, um der Kurzfrist-Falle zu entkommen. Besonders gut funktioniert das seiner Erfahrung nach in Familienunternehmen, bei denen die Unternehmenszukunft gut wahrnehmbar jeden Tag am Frühstückstisch sitzt. Die Kontinuität bei Firmeneignern und Mitarbeitern ist ein wichtiges Erfolgskriterium der Unternehmen aus dem „German Mittelstand“, um den uns viele andere Länder beneiden.

Die Arbeit an der Zukunft soll Lust machen auf die kommenden Jahre, so Dr. Pero Mićić, durch Emotionalisieren und Visualisieren, durch Mitarbeiterführung statt „Mitarbeiterschiebung“. Nur dann entscheidet unser Zukunfts-Ich oder –Wir vernünftig.

Weil die Arbeit an der Zukunft Spaß machen soll, haben sich im Anschluss an den Vortrag alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer in einen Maleranzug begeben und mit Pinsel und Farbe ihr Bild vom Zukunfts-Ich oder Zukunfts-Wir für das Jahr 2017 auf die Leinwände gezaubert. Das Ergebnis ist eine wunderbare Collage, die hier in der Location Freiheit einen Ehrenplatz bekommen hat.

Haben Sie schon ein Zukunfts-Ich, ein Zukunfts-Wir entworfen?

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Innovation braucht Spinner: Superhelden erkunden Kundenlösungen jenseits der Vorstellungskraft

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Ein Alien-Raumschiff suchte im September 2014 einen Landeplatz in unserer Scheune der Location Freiheit. Der Regisseur dieses kleinen Events war Torsten Biermann – Spezialist für Augmented Reality beim Verpackungsspezialisten DS Smith. Gemeinsam mit seinen DS Smith Kollegen sucht er innovative Lösungen für Kunden, die nie zuvor ein Mensch gesehen hat.

Als Torsten Biermann auf dem Open Innovation Sommerzirkel 2014 die Kamera seines Smartphones auf einen leeren Fußboden richtete und es mit einem Beamer verband, konnten wir auf der Leinwand plötzlich ein kleines Alien-Raumschiff sehen, das auf dem Boden der Location Freiheit einen Landeplatz suchte. Ein grünes Marsmännchen stand auf einem Berg und winkte das Raumschiff heran. Auf dem Boden war weiterhin nichts zu sehen, all das passierte im Smartphone, mit dem Torsten Biermann ganz souverän das Raumschiff lenkte – so wie bei ferngesteuerten Modellflugzeugen. „Das ist nur eines von vielen AR-Anwendungsbeispielen“, sagte Torsten Biermann damals und das machte mich so richtig neugierig.

AR steht für Augmented Reality. Von AR spricht man dann, wenn Computer die reale Welt mit virtuellen Inhalten anreichern. Doch was hat das Raumschiff mit den Verpackungen von DS Smith zu tun? Mit Regalverpackungen für den Einzelhandel, Transportverpackungen, Konsumgüterverpackungen, Wellpapp-Displays sowie hochleistungsfähigen Verpackungslösungen für Industrieprodukte? Da wollte ich mit Torsten Biermann einmal drüber sprechen:

Torsten, was hatte der kleine Alien am OISZ 2014 vor?
Torsten Biermann: „Er wollte zeigen, wie leicht es heute ist, virtuelle Objekte in die reale Welt zu bringen. Einsatzmöglichkeiten für Augmented Reality sind vielfältig: Halte ich beispielsweise den gedruckten Möbelkatalog eines bekannten schwedischen Möbelhauses in den Händen, kann ich mit AR und meinem Tablet oder Smartphone anschauen, wie einzelne Möbelstücke in meinem Wohnzimmer aussehen werden. Kinder können sich aus einem Buch Tiere, z.B. Elefanten, Tiger oder Hasen, direkt ins Wohnzimmer ‚holen‘. Online- und Offline-Welt können über verschiedene Vertiefungsthemen verbunden werden, Lerninhalte oder Produkte werden lebendig durch bewegte Bilder, Ton und Videos.“

Was hat AR mit Verpackung zu tun?
Torsten Biermann: „Die Verpackung ist oft das erste Medium, mit dem der Verbraucher im Handel in Kontakt mit dem Produkt kommt. Sie kommuniziert, was drin ist. Sie zeigt den Nutzen von Produkten, z.B. durch ein Video, das ich nach dem Scan eines QR-Codes aufrufen kann. Auch nach dem Kauf kann ich z. B. eine videounterstützte Gebrauchsanleitung auf meinem Tablet oder Smartphone in meiner Sprache anschauen. Hersteller können ihre Informationen mit AR besser visualisieren, Kunden überzeugen, bedienen – die Verpackung ist das Medium Nummer eins dafür! Gute AR weckt die Abenteuerlust der Kunden: Die Verpackung kann sprechen, sobald der Kunde die Kamera darauf hält! Der Kunde kann einen Blick ins Innere der Verpackung werfen – ohne, dass er sie öffnen muss! Die Verpackung kann mit digitalen Zusatzinhalten aufwarten, wie z.B. Spielen, Avataren oder ähnlichem, die es eben nur auf der Verpackung gibt! Gleiches gilt natürlich auch für Wellpapp-Displays, in denen oft Saisonartikel oder Produktneuheiten in den Markt kommen. Die Möglichkeiten sind endlos! In diesem YouTube Video können Sie ein Beispiel eines interaktiven Wellpapp-Displays von DS Smith sehen, das in dieser Ausführung weltweit in den Handel gekommen ist.“

Was ist das besondere bei DS Smith, dass solche innovativen Themen auch stattfinden?
Torsten Biermann: „Dem Vertrieb von DS Smith steht ein Team von Spezialisten aus den unterschiedlichsten Disziplinen zur Seite – losgelöst von allen klassischen Vertriebsaufgaben. Jeder dieser Spezialisten brennt für sein Spezialthema, in dem er sich bestens auskennt und das er kontinuierlich weiterentwickelt. Zusammen mit dem Kunden und dem Vertrieb entwickeln wir dann ungewöhnliche, neue Lösungen. Das Besondere ist eine ausgeprägte Innovationskultur, die uns maximale Freiheit ermöglicht, mit der wir uns als Experten jeden Tag neu in unserem Fachgebiet erfinden können!“

DS Smith leistet sich also einen „Club der Spinner“?
Torsten Biermann: „Das kann man so sagen! Wir können neue Technologien und Denkansätze ausprobieren, kombinieren, andere Disziplinen erkunden, uns weiterbilden und durch eine durchdachte Kultur des Scheiterns sind wir auch in der Lage, von Lernschleifen zu profitieren. So sind wir ein Erfolgsmodell für DS Smith geworden. Die Kunden honorieren das!“

Was machst du sonst noch so – neben der Verpackung?
Torsten Biermann: „AR ist ein so weites Feld! Deshalb habe ich eine eigene Firma ins Leben gerufen, die neue digitale Medien – von der Visitenkarte bis hin zum Firmenflyer – mit AR-Funktionen gestaltet und produziert. Wenn wir z. B. Displays mit AR-Funktion konzipieren, liefern wir die gesamte Kampagne aus einer Hand – inklusive Anschreiben – im gleichen Look and Feel. Mit der Augmented- Reality-Technologie bieten wir spannende, neue Möglichkeiten, um Verpackungen und Displays digital zu erweitern und so On- und Offline-Markenwelten in moderner Weise zu verbinden.“

Bist Du ein Spinner?
Torsten Biermann: „Ja, das kann ich guten Gewissens behaupten! Über Dein Buch ‚Spinnen ist Pflicht‘ haben wir uns ja kennengelernt, liebe Anke! Und ich habe mich kontinuierlich in allen Kreativitätstechniken bei Dir fortgebildet, mich auf meine Stärken konzentriert und bin heute sehr glücklich, dass ich meine digitale Leidenschaft zum Beruf machen kann!“

Vielen Dank!

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IT-Innovation auf neuen Pfaden

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Es ist eine große Ausnahme, dass sich ein Geschäftsführer eines IT-Dienstleistungsunternehmens mit Innovation und Kreativitätstechniken auseinandersetzt. Eine noch größere Ausnahme ist es, dass er seine Kunden – IT-Manager in Unternehmen und Behörden – zum Spinnen und zur bewussten Gestaltung ihrer IT-Zukunft bewegen möchte. Holger Schmieder, Geschäftsführer der Schmieder IT solutions hat das getan und letzte Woche 30 IT-Manager nach Neckartenzlingen eingeladen, um sich meinen Vortrag anzuhören und anschließend so richtig zu spinnen. Mit erstaunlichen Ergebnissen!

Think big. Act small. Start now. Das ist mein Motto. Und das ist gleichzeitig das Motto aller erfolgreichen Innovatoren. Nicht lang reden, sondern kreativ viele Ideen produzieren, geschickt auswählen und umsetzen. Sonst passiert nichts. Sonst hätte Kolumbus nie Amerika entdeckt.

Holger Schmieder weiß das auch. Aus diesem Grund hat er eine Veranstaltung unter dem Titel „Schmieder’s IT Talk“ ins Leben gerufen: „Wir haben in unserer Beratertätigkeit festgestellt, dass Unternehmen, die langfristig planen, kreativ denken und sich nicht im Tagesgeschäft festbeißen, erfolgreicher sind als andere Unternehmen, die immer nur IT-Tagesgeschäft abwickeln. Wir wollen Unternehmen deshalb zeigen, dass es sich gemeinsam besser innovieren lässt: Welche Themen geistern in anderen Köpfen herum? Was kann ich daraus lernen? Wie kann ich mit den Fachabteilungen systematisch gute Ideen produzieren? Und weil Zukunftsplanung Spaß machen soll, haben wir am 15. Oktober 2014 IT-Manager mit den Experten unserer Event-Sponsoren Alcatel-Lucent, Citrix, EMC, Veeam und VMware sowie mit XnetSolutions, ARTEC IT, Fortinet und Trendmicro und natürlich unseren eigenen IT-Experten zum Spinnen zusammengebracht!“

Brainstorming – diese Kreativitätstechnik kannten einige der anwesenden IT-Spezialisten noch. Bei der Kopfstand- oder der Reizwortmethode sah das schon anders aus, denn die waren fast unbekannt. Dabei spielen diese und viele andere Techniken eine wichtige Rolle in der Innovation, denn sie führen zuverlässig zu neuen Lösungen.

Wer immer die gleichen Probleme wälzt, hat in der Regel immer am gleichen Ort mit denselben Menschen über das gleiche Problem nachgedacht. Routine ist das schwarze Loch der Innovation. Weil wir in Zukunft aber mit weniger Budget in immer kürzeren Zeitspannen produktiv und kreativ sein sollen, ist es wichtig, Kreativitätstechniken anzuwenden, die schnell Routinen durchbrechen und neue Lösungen erschließen können!

Die Techniken führten auch an diesem Nachmittag zu wilden Spinnereien, die so manchen IT-Chef mit einer konkreten Idee nach Hause schickten: Brauchen IT-Mitarbeiter eine Tracht? Sollen wir IT ganz abschaffen? Wie mache ich meinem Chef mal so richtig Angst vor neuen Technologien? Muss IT sexy sein? Bei Schmieder’s IT Talk führten diesen Fragen zu lebhaften Diskussionen unter den Teilnehmenden, die wilde Mindmaps gestalteten, nach der Co-Creation-Methode Gesichter malten und ihr Berufsfeld einen Nachmittag lang völlig auf den Kopf stellten.

Alles, was wir mit IT tun, führt zur Innovation! Das ist unsere Überzeugung!“ fasste Holger Schmieder gegen Ende dieses spannenden Think Tanks zusammen und rief die IT-Manager dazu auf, bewusst in die Jahresplanung 2015 – und darüber hinaus – einzusteigen.

Haben Sie schon Ihre Jahresplanung 2015 abgeschlossen? Soll Ihre IT auch neue Wege gehen?

Das Unternehmen neu erfinden – Sommerzirkel-Interview mit Dieter Lagois

Das Unternehmen neu erfinden – Sommerzirkel-Interview mit Dieter Lagois

Längst hat sich die Erdgas Südwest vom reinen Erdgasversorger zum regionalen Energiepartner entwickelt, der alles aus einer Hand anbietet. Das Unternehmen geht neue Wege mit modernster Technik und innovativen Ideen. Heute beleuchten wir im Gespräch mit Dieter Lagois, Leiter Vertrieb und Zentrales Energiemanagement der Erdgas Südwest GmbH, wie man einen Rahmen dafür schafft, ein Unternehmen neu zu erfinden.

Wie sehen die Energiekonzepte der Zukunft aus? Worüber sollte ein Energieversorger heute nachdenken, um morgen die richtigen Angebote zu machen? Dieter Lagois arbeitet mit seinem Team an neuen Geschäftsmodellen und Ideen rund um das Thema Energie, die die Kunden von morgen glücklich machen. Die Initiatorinnen des Open Innovation Sommerzirkels (OISZ) 2014 – Birgit Heinermann und Anke Meyer-Grashorn – haben sich mit Dieter Lagois darüber unterhalten, wie sich das Unternehmen neu aufstellt, um den Zukunftsanforderungen gewachsen zu sein.

Herr Lagois, Sie geben uns beim Open Innovation Sommerzirkel einen Einblick in Ihre Zukunftsarbeit und stellen im Rahmen des Workshops „Geschäftsmodelle“ auch Ihre Ideen zur Diskussion. Welche Themen beschäftigen Sie und die Energie Südwest aktuell am meisten?
Dieter Lagois: „Die Unternehmenszukunft von Erdgas Südwest wird stark bestimmt von völlig neuen energiepolitischen Rahmenbedingungen. Da ist zum einen das Energiekonzept der Bundesregierung, das vorsieht, dass bis 2030 der Anteil erneuerbarer Energien am Bruttoendenergieverbrauch 30% beträgt. Zudem soll die Sanierungsrate für den gesamten Gebäudebestand auf jährlich 2% verdoppelt werden. Dazu kommt der nationale Energieeffizienz Allokationsplan: Er sieht eine Reduktion des Wärmebedarfs des Gebäudebestands bis 2050 um 80% vor. Ziel ist es, bis 2050 einen nahezu klimaneutralen Gebäudebestand zu haben. Die in Deutschland noch nicht verankerte EU-Richtlinie über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden sieht darüber hinaus vor, dass ab 2020 alle neuen Gebäude Niedrigstenergiegebäude – annähernd Passivhausniveau – sein werden. Häuser werden also in absehbarer Zeit deutlich weniger Wärmeenergie benötigen.
Dazu kommt ein verändertes Kundenverhalten mit neuen Anforderungen: Die Kunden wollen mitmachen, fordern Selbstbestimmung. Das belegt die wachsende Zahl der Bürgerenergiegenossenschaften, die die Energieproduktion selbst in die Hand nehmen. Ganz oben bei den Kundenwünschen steht zudem Simplizität, insbesondere bei den Online-Services. Wird es zu kompliziert, steigen die Kunden aus.
Worauf wir uns auch einstellen, ist der Prosumer-Ansatz: Kunden sind nicht mehr nur Konsumenten, sondern z.B. mit der Photovoltaikanlage auf dem Dach auch Produzenten. Kunden können sich in absehbarer Zeit selbst mit Energie versorgen.
Diese Veränderungen erfordern eine Erneuerung unseres Geschäftsmodells: Wir bieten jetzt autarke Energielösungen in Gemeinden und Kommunen an und ermöglichen Autarkie im B2C-Bereich. Wir entwickeln nachhaltige Energielösungen, die Ökologie, Ökonomie und partnerschaftlichen Umgang in Einklang bringen. Wir konzentrieren uns darauf, Energie von hier anzubieten und damit Unabhängigkeit von Energie- und Rohstoffimporten zu ermöglichen.
Sie sehen: Die Erdgas Südwest ist dabei, sich neu zu erfinden – unter Einbindung unendlicher Kreativität: Wir beziehen nicht nur Kunden, sondern auch Internetuser in die Produktentwicklung ein über Crowd Sourcing und Co-Creation.“

Aus Ihrer Erfahrung: Benötigen Innovationsteams besondere Arbeitsumgebungen, um erfolgreich zu sein?
Dieter Lagois: „Die Arbeitsumgebung ist ein Mosaikstein für innovatives Arbeiten und kann den Innovationsprozess unterstützen. Die Umgebung kann wie ein Katalysator wirken und bildet eine unterstützende Komponente im Innovationsprozess. Spezielle Arbeitsumgebungen und Perspektivenwechsel haben sich als förderlich erwiesen. Nichtdestotrotz wurden auch schon gute Ideen in klassischen Arbeitsumgebungen, also im Büro und Besprechungsraum, geboren.“

Welche Rolle spielt das Arbeitsumfeld, um kreative Prozesse, thinking out of the box etc. anzustoßen?
Dieter Lagois: „Die wichtigste Frage lautet: Welche Unternehmenskultur ist im Arbeitsumfeld eingebettet? Ist Querdenken erlaubt? Sind neue Ideen gewünscht und werden diese aufgenommen und weiterverfolgt? Wird Mut zu Neuentwicklungen und Vermarktung belohnt? Welche Bedeutung wird dem Thema Innovation im Unternehmen beigemessen, wenn es um Perspektiven, Zeit, Budget und das Erstellen einfacher Dieter Lagoisgeht?“

Gibt es dazu in Ihrem Unternehmen Beispiele?
Dieter Lagois: „Wir veranstalten regelmäßig die Erdgas-Südwest-Innovationstage an unterschiedlichen Locations, damit wir aus der gewohnten Umgebung herauskommen. Dann gibt es Innovationsworkshops mit Kunden, sowohl bei der Erdgas-Südwest als auch beim Kunden. Wichtig ist, dass Innovation unkompliziert ist: Mitarbeiter können jederzeit spontane Einladungen zur bereichsübergreifenden Entwicklung von Ideen und Lösungsvorschlägen aussprechen.“

Welche Bedeutung hat für Sie als Innovationsverantwortlicher die Arbeit mit Trends und anderen Zukunftsinstrumenten für den Innovationsprozess und die Innovationsqualität?
Dieter Lagois: „Zuerst möchte ich vorausschicken: Ich bin nicht DER Innovationsverantwortliche im Unternehmen, sondern alle Mitarbeiter haben diese Rolle.
Meine Kernfrage Nummer eins lautet: Wie erkenne ich rechtzeitig neue Trends? Dazu haben wir die Innovation in den Zielvereinbarungen verankert und sorgen dafür, dass wir disziplinübergreifend – einzeln oder als Team – teilnehmen an unterschiedlichen Seminaren und Kongressen. Dazu kommen die klassische Medienrecherche und Marktforschung sowie die Analyse des Feedbacks der Kunden sowie der Kundenbetreuer.
Meine Kernfrage Nummer zwei lautet: Möchte ich diesem Trend folgen? Hier selektieren wir nach sachlogischen Verfahren, also anhand einer Bewertungsmatrix und wir betreiben Innovations- und Marktforschung. Und weil sich nicht alles rational beurteilen lässt, ist für uns auch Intuition ein Kriterium, einen Trend zu bewerten.
Die Klärung dieser beiden Fragen wirkt sich signifikant auf den Innovationsprozess und seine Qualität aus. Qualität fängt immer am Anfang an. Und dann gibt es auch noch die Möglichkeit, Märkte selbst zu erschaffen mit Produkten, die heute noch niemand kennt!“

Wie wichtig sind „Querdenker“ in Ihrem Team?
Dieter Lagois: „Gibt es tatsächlich noch Leute, die glauben, Querdenker seien unwichtig?“

Wie halten Sie Mitarbeiter mit Potential/Leistungsträger in Ihrem Team/Unternehmen?
Dieter Lagois: „Wir erstellen für jeden Mitarbeiter ein persönlichen Entwicklungsplan. Dann sorgen wir für kulturelle Attraktivität und bieten große Freiräume zur Umsetzung neuer Ideen, die Übertragung von Verantwortung und sehr einfache Entscheidungsprozesse. Unser Ziel ist es, sinnstiftend in allem was wir tun zu sein, hohe Kollegialität und einen offenen Umgang in einer tollen Arbeitsumgebung zu pflegen. Das Wichtigste ist ein hoher Entfaltungsspielraum: Gestalter und Macher sind bei uns willkommen!“

Warum nehmen Sie am diesjährigen Open Innovation Sommerzirkel teil?
Dieter Lagois: „Für mich ist es wichtig, mein branchenübergreifendes Netzwerk zu erweitern sowie neue Produktimpulse und aktuelle Trendinfos zu erhalten.“

Worauf freuen Sie sich am meisten?
Dieter Lagois: „Auf den Austausch mit vielen netten und kreativen Menschen!“

Vielen Dank!

Hintergrundinformation Dieter Lagois:
Dieter Lagois verfügt über eine Ausbildung zum Kommunikationselektroniker (Telekom) und ein Studium zum Dipl.-Oecotroph. Nach einem Traineeprogramm bei der EnBW war er dort als Account Manager B2B, Einkaufscontroller, Einkaufsleiter, Niederlassungsleiter der Vertriebsniederlassungen Karlsruhe und Frankfurt sowie zuletzt als Leiter Key Account Management für Stadtwerke, Industriekunden und Vertriebsmarketing tätig. Bei Erdgas-Südwest ist er Leiter des Vertriebs und ist verantwortlich für die Bereiche B2B, B2C, Zentrales Energiemanagement (Portfoliomanagement, Energieeinkauf, Energielogistik) sowie Marketing.
www.erdgas-suedwest.de

Das Trend-Einmaleins der Innovationstreiber lernen – Sommerzirkel Interview mit Dr. Pero Mićić

Das Trend-Einmaleins der Innovationstreiber lernen – Sommerzirkel Interview mit Dr. Pero Mićić

Dr. Pero MicicWas bringt uns die Zukunft? Dr. Pero Micic, einer der führenden Experten für Zukunftsmanagement, hält am ersten Tag des Open Innovation Sommerzirkels 2014 (OISZ) eine spannende Keynote mit dem Titel „Raus aus der Kurzfrist-Falle“ über bedeutende Trends und deren Auswirkungen auf unser Geschäft. Die Initiatorinnen des OISZ 2014 – Birgit Heinermann und Anke Meyer-Grashorn – haben sich mit Dr. Pero Mićić darüber unterhalten, warum man diese Veranstaltung nicht verpassen sollte.

Herr Dr. Mićić, welche spannenden Fragen an die Zukunft werden Sie mit den Teilnehmern des Open Innovation Sommerzirkels diskutieren?
Dr. Pero Mićić: „Wir werden uns intensiv mit den Entwicklungen, Trends und Potenzialen beschäftigen, mit denen sich ein Unternehmen aktiv auseinandersetzen sollte, wenn es über das eigene zukünftige Geschäft nachdenkt. Unverzichtbares Zukunftswissen, das kleine Trend-Einmaleins der Innovationstreiber und –verantwortlichen.
Zudem werde ich zwei wichtige Zukunftsaspekte beleuchten, die mir besonders am Herzen liegen, weil sie den Ausschlag dafür geben, ob dieses Zukunftswissen auch entsprechend interpretiert und – darauf liegt unser Schwerpunkt – auch anwendbar gemacht wird.
Aspekt Nummer eins: Wir Menschen sind ein homo praesens, wir sind gemacht für ein Leben in der Gegenwart. Leider laufen wir damit Gefahr, uns täglich die Zukunft zu versauen. Warum treffen wir wider besseren Wissens falsche Entscheidungen? Warum setzen wir die richtigen Entscheidungen nicht um? Wie gelingt es uns, die chronische Kurzfristdenke zu überwinden? Darüber werden wir sprechen.
Aspekt Nummer zwei: Emotionale Beteiligung der Akteure. Ein wesentlicher Erfolgsfaktor für Unternehmen und ihre erfolgreiche Zukunft ist Kontinuität. Entscheidend ist, dass den Beteiligten der Erfolg der Vision und der Ziele tatsächlich emotional wichtig ist. Wer Entscheidungen für die Zukunft trifft und sie verwirklichen soll, muss von den Erfolgen und Misserfolgen auch selbst betroffen sein. Sonst bleibt der kurzfristige Gewinn im Fokus. Unternehmen mit hoher Kontinuität bei Eignern, Führungskräften und Mitarbeitern verhalten sich wesentlich zukunftsintelligenter als Unternehmen, deren Aktien nur ein paar Tage gehalten werden. Weiter reicht dann nämlich auch der Zeithorizont des Top-Managements nicht.“

Welche Bedeutung hat die Arbeit mit Trends und anderen Zukunftsinstrumenten für den Innovationsprozess und die Innnovationskraft von Unternehmen?
Dr. Pero Mićić: „Ideen zu entwickeln braucht Inspiration. Innovation zu verwirklichen braucht strategische Orientierung, damit es nicht zur Verzettelung führt. Für beide Zwecke ist der systematische Umgang mit der Zukunft enorm hilfreich. Entscheidend ist die praktische Wirksamkeit des Zukunftsmanagements. Wer nur ein paar Megatrends analysiert, wird leicht enttäuscht sein. Man muss tiefer, breiter und weiter gehen, damit es wirklich inspiriert und orientiert.“

Warum sollte man den Open Innovation Sommerzirkel nicht verpassen?
Dr. Pero Mićić: „Wir haben es selbst in der Hand, die Zukunft unserer Unternehmen aktiv zu gestalten. Dazu ist es wichtig, die Zukunftsbrille aufzusetzen, Chancen und Risiken frühzeitig zu erkennen und die richtigen Entscheidungen zu treffen. Der Zirkel bietet gute Möglichkeiten, sich entsprechendes Wissen anzueignen und über den Tellerrand der eigenen Branche zu blicken.“

Herr Dr. Mićić, vielen Dank für dieses Interview!

Zur Person
Dr. Pero Mićić gilt international als ein führender Experte für Zukunftsmanagement. Er ist Vorstand der FutureManagementGroup AG, deren Mission es ist, Top-Entscheidern in Wirtschaft, Politik und Verwaltung zu helfen, mehr von der Zukunft zu sehen als die Konkurrenz.
Dr. Pero Mićić berät die Führungsteams und Zukunftsexperten großer Konzerne und führender Mittelständler zu Ergebnissen und Methoden der unternehmerischen Zukunftsforschung und begleitet sie bei der Umsetzung in praktische Marktchancen und Strategien.
Er ist Keynote-Speaker auf Fachtagungen und Festveranstaltungen in Städten wie Mexico, Houston, Washington, Warschau, London, Paris, Barcelona, Budapest, Prag, Moskau, Singapur und Kuala Lumpur. Er studierte Wirtschaftswissenschaft und Future Studies in Deutschland und den USA und promovierte in Großbritannien über “Phenomenology of Future Management in Top Management Teams”. Pero Mićić ist Autor von sechs Büchern, darunter zuletzt „Wie wir uns täglich die Zukunft versauen: Raus aus der Kurzfrist-Falle“ (2014), “Die fünf ZukunftsBrillen” (2007); “Das Zukunfts-Radar” (2006) und “Der ZukunftsManager” (2003). Er entwickelte das “Eltviller Modell” des Zukunftsmanagements und ist Dozent an renommierten Universitäten und Akademien.
Pero Mićić ist Gründungsmitglied der Association of Professional Futurists (Berufsverband) in den USA, Vorsitzender des Beirats der European Futurists Conference, Vorsitzender der Konferenz “Internationales Trend- und Zukunftsmanagement” und Beirat des weltweit ersten und ältesten Master-Studiengangs in Future Studies in Houston (USA).
Weitere Informationen unter www.Micic.com und www.FutureManagementGroup.com.

Zukunft ohne Glaskugel – Sommerzirkel-Interview mit Martina Schwarz-Geschka

Zukunft ohne Glaskugel – Sommerzirkel-Interview mit Martina Schwarz-Geschka

Heute ist morgen schon gestern – so lautet das Motto unseres Themenblocks Nr. eins beim Open Innovation Sommerzirkel 2014. Eine der Referentinnen: Martina Schwarz Geschka. Sie ist als Partner und Senior Consultant bei der Geschka & Partner Unternehmensberatung Spezialistin für Szenarien für Großunternehmen, mittelständische Unternehmen und Institutionen. Wir haben mit ihr darüber gesprochen, warum sich Unternehmen ein Bild von ihrer Zukunft machen sollten.

Szenarien sind eine wichtige Grundlage für die mittel- bis langfristige Strategieentwicklung und -überprüfung für Unternehmen. Sie liefern wichtige Ansatzpunkte für Entscheidungen über eine Technologie- und Innovationsstrategie, die Suche nach neuen Geschäftsfeldern sowie zu großen Investitionen.

Die Szenariotechnik ist ein Instrument der Zukunftsanalyse. 1976 von Prof. Geschka und Mitarbeitern beim Battelle-Institut entwickelt, wird sie seitdem permanent weiterentwickelt und verbessert. Mit ihrer Hilfe werden alternative, konsistente Zukunftsbilder für ein bestimmtes Thema erstellt. In einem komplexen und dynamischen Unternehmensumfeld liefern Szenarien eine wichtige Orientierung für strategische Überlegungen und helfen, Unsicherheiten über zukünftige Entwicklungen und damit die Gefahr von Fehlentscheidungen zu reduzieren.

Diese Szenarien werden auf dem Open Innovation Sommerzirkel (OISZ) 2014 ein wichtiges Thema sein. Die Initiatorinnen des OISZ – Birgit Heinermann und Anke Meyer-Grashorn – haben sich mit Martina Schwarz-Geschka über ihren Vortrag unterhalten:

Was ist für Sie das Besondere am Open Innovation Sommerzirkel?
Martina Schwarz-Geschka: „Ich habe bisher ja noch bei keinem Open Innovation Sommerzirkel mitgemacht. Aber die Bilder, die ich gesehen habe, sind vielversprechend: Eine tolle Location, eine gänzlich andere Atmosphäre, z.B. mit Lagerfeuer und Aufderwiesesitzen, und Teilnehmern, die sehr offen sind und Spaß haben beim Austausch mit ‚Artgenossen‘. Nicht zu vergleichen mit der Atmosphäre in einem Konferenzhotel! Dazu interessante Vorträge von hochkarätigen Referenten. Ein Szenario, auf das ich persönlich sehr gespannt bin!“

Welche Bedeutung hat die Arbeit mit Trends und anderen Zukunftsinstrumenten für den Innovationsprozess und die Innovationsqualität von Unternehmen?
Martina Schwarz-Geschka: „Im Innovationsmanagement werden Entscheidungen für die Zukunft getroffen, man ist verantwortlich für die Produkte und Dienstleistungen der Zukunft – eigentlich müsste man über die Bedeutung des Zukunftsbezugs gar nicht reden müssen. Gerade in den frühen Phasen des Innovationsprozesses, in denen wir beratend tätig sind – die strategische Ausrichtung eines Unternehmens und die Ideenfindung, -bewertung, und -auswahl, ist es sehr wichtig, mit zukunftsbezogenen Informationen zu arbeiten. Wir nutzen insbesondere die Szenariotechnik und die Arbeit mit Trends. Und wir merken, dass sich dieses Thema herausbewegt aus der klassischen F&E-Ecke: Auch beispielsweise Betriebsräte, das produzierende Gewerbe, New Business Development Abteilungen oder Dienstleister arbeiten mit unserer Szenariotechnik.“

Worum geht es in Ihrem Vortrag?
Martina Schwarz-Geschka: „Wir konstruieren Zukunftsbilder. Wir analysieren, was auf uns zukommt. Die Frage, welche Entwicklungen möglich sind, überlassen wir nicht der Glaskugel. Wir beschreiben verschiedene Zukunftsbilder. Wir beleuchten Chancen und Risiken, um besser auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein. In meinem OISZ-Vortrag werde ich die Methodik interaktiv vorstellen, das heißt, wir werden anhand eines Beispiels Zukunftsbilder zusammenpuzzeln. Und wir stellen uns Fragen: Wie komme ich zu Aussagen? Wie füge ich sie zusammen? Und was mache ich dann damit?“

Wie wichtig sind „Querdenker“ bei diesem Prozess?
Martina Schwarz-Geschka: „Querdenker sind sehr wichtig – sie bringen andere, neue Sichtweisen ein und können so ‚Denkroutinen‘, die wir alle haben, aufbrechen. Sie bringen Inspiration. Daher ist es mir auch wichtig, dass die Teams heterogen zusammengesetzt sind – Mitarbeiter aus verschiedenen Bereichen, mit unterschiedlichem Erfahrungshorizont, Geschlecht und Alter. Je breiter der Gedankenhorizont desto fruchtbarer sind die Ergebnisse für den Kunden.“

Was glauben Sie, welche Trends werden die Zukunft der Unternehmen in Deutschland am meisten beeinflussen?
Martina Schwarz-Geschka: „Da ist zum einen die Informations- und Kommunikationstechnologien als Querschnittstechnologie, die alle Bereiche – ob privat oder im Beruf – vernetzt und verändert, z.B. in Prozessen und Produktionsabläufen. In Deutschland wird sich zudem durch die demographische Entwicklung und die Veränderung der Altersstruktur ein gesellschaftlicher Wandel ergeben. Wenn im Zeitraum zwischen 2025 und 2030 die geburtenstarken Jahrgänge das Arbeitsleben verlassen werden, wird das zu einem enormen Erfahrungsverlust für die Wirtschaft führen. Die Integration ausländischer Arbeitskräfte wird viel Multikulti-Wissen von den Unternehmen verlangen. Verstärkt wird diese Anforderung durch die zunehmende Globalisierung und internationale Vernetzung. Dadurch werden sich Märkte, Prozesse und Unternehmensstrukturen verändern. Es wird dynamischer und globaler, die Szenarien werden komplexer. Ich kann nur allen Unternehmen raten, sich jetzt mit der Zukunft zu beschäftigen.“

Vielen Dank!

Zur Person Martina Schwarz-Geschka
Martina Schwarz-Geschka hat Betriebswirtschaftslehre in Gießen und Mannheim studiert. Anschließend war sie im Bereich Controlling/Marktforschung der BfG Bank AG in Frankfurt tätig (1992-1996). Seit 1992 arbeitete sie freiberuflich für die Geschka & Partner Unternehmensberatung und ist seit 1998 Partnerin der Gesellschaft. Durch die Projektleitung einer Reihe großer Szenariostudien hat sie umfassende Kompetenz in der Anwendung der Szenariotechnik aufgebaut. Neben der Beratung führt sie Trainings durch und ist Referentin der Zürich International Business School, Schweiz.

Kundenbedürfnisse antizipieren – Sommerzirkel-Interview mit Peter Liedtke

Kundenbedürfnisse antizipieren – Sommerzirkel-Interview mit Peter Liedtke

Ein Stammgast beim Open Innovation Sommerzirkel ist Peter Liedtke, Geschäftsführer der Bezirksverwaltung Süd bei der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft. Wir haben mit ihm darüber gesprochen, warum er regelmäßig den OISZ besucht und wie er sich innovativ hält.

Die BG BAU ist die gesetzliche Unfallversicherung für die Bauwirtschaft und baunahe Dienstleistungen in Deutschland. Sie bildet, wie die Kranken- und Rentenversicherung, eine Säule im deutschen Sozialversicherungssystem. Sie fördert Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz im Betrieb sowie am Arbeitsplatz und vermeidet so Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten.

Der Tunnelblick ist zwar keine Berufskrankheit, aber ein Problem, mit dem sich Führungskräfte regelmäßig auseinandersetzen müssen, um stets den freien Blick auf die Kundenbedürfnisse von morgen zu haben. Die Initiatorinnen des Open Innovation Sommerzirkel (OISZ) 2014 – Birgit Heinermann und Anke Meyer-Grashorn – haben sich mit Peter Liedtke darüber unterhalten, wie man dem Tunnelblick vorbeugen und innovativ bleiben kann:

Was ist für Sie das Besondere am Open Innovation Sommer Zirkel?
Peter Liedtke: „Fünf Gründe führen mich jedes Jahr zum OISZ: Erstens: Ich nehme mir Zeit, die ich mir für das wichtige Thema Innovation sonst nur selten nehme. Zweitens: Ich treffe eine große Anzahl an kreativen Köpfen aus ganz anderen Branchen. Drittens: Ich erhalte Anregungen, Denkanstöße und Inspiration, während ich anderen Anregungen, Denkanstöße und Inspiration anbiete. Viertens: Ich genieße die urige Location, die Ruhe und die Gastfreundschaft mitten im Allgäu. Und schließlich fünftens: Ich gehe regelmäßig mit mehr Ideen nachhause, als ich Fragen mitgebracht habe!“

Welche Bedeutung hat für Sie als Innovationsverantwortlicher die Arbeit mit Trends und anderen Zukunftsinstrumenten für den Innovationsprozess und die Innovationsqualität?
Peter Liedtke: „Die Arbeit mit Trends und anderen Zukunftsinstrumenten löst den Blick aus der Binnensicht und lässt uns das künftige Verhalten, die Bedürfnisse und Anforderungen unserer Mitgliedsunternehmen und unserer Versicherten besser antizipieren.“

Wie wichtig sind „Querdenker“ in Ihrem Team?
Peter Liedtke: „Querdenker stellen etablierte Verfahren und konformes Denken in Frage. Sie geben sich nicht mit dem Althergebrachten und dem immer Gleichen zufrieden.
Sie zwingen uns zu einer regelmäßigen Auseinandersetzung mit dem Status Quo und locken uns aus unseren Komfortzonen. Der Umgang mit Querdenkern ist mindestens anstrengend, manchmal sehr zeitaufwändig, führt aber sehr oft zu wichtigen Erkenntnissen und Einsichten sowie mittelbar zu sinnvollen und zweckmäßigen Lösungen.“

Wie halten Sie Mitarbeiter mit Potential/Leistungsträger in Ihrem Team/Unternehmen?
Peter Liedtke: „Da hier die finanziellen Möglichkeiten einer Körperschaft des öffentlichen Rechts begrenzt sind, sind ein Höchstmaß an Eigenverantwortlichkeit, die Beteiligung an übergeordneten Entscheidungen, regelmäßige, gegenseitige Information, Wertschätzung und das Erzielen gemeinsamer Erfolge besonders wichtig, um Leistungsträger an uns zu binden.“

Aus Ihrer Erfahrung: Benötigen Innovationsteams besondere Arbeitsumgebungen, um erfolgreich zu sein?
Peter Liedtke: „Wir haben festgestellt, dass das von unseren Kolleginnen und Kollegen – auch themenbezogen – ganz unterschiedlich empfunden wird. Unsere Arbeitsumgebung ist technisch und ergonomisch zwar up-to-date, aber doch konventionell. Wir haben allerdings gute Erfahrungen damit gemacht, das tägliche Umfeld für Workshops komplett zu verlassen und damit das gewohnte Denken auch…!“

Vielen Dank!

Hintergrundinformation Peter Liedtke:
Peter Liedtke ist Geschäftsführer der Bezirksverwaltung Süd bei der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft. Er hat Finanzwirtschaft und Wirtschaftsinformatik studiert, war einige Jahre als CIO für die IT der BG BAU verantwortlich und leitet mit der BV Süd seit zwei Jahren eine Organisationseinheit mit ungefähr 1.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

 

Vergessen Sie das mit der Innovation!

Vergessen Sie das mit der Innovation!

Gerhard Matzig veröffentlichte am 6. September 2014 für die SZ einen Artikel unter dem Titel „Wir Neobiedermeier“. Er beschreibt Deutschland als ein „Oberjammergau der Bedenkenhaftigkeit“, als einen „querulatorischen Hort der Fortschrittsfeindlichkeit und Zukunftsverweigerung“. Er schreibt das, weil Forschungsministerin Johanna Wanka vor Kurzem eine Initiative vorgestellt hat, die Deutschland zum Innovationsweltmeister in den Bereichen digitale Wirtschaft und Gesellschaft, nachhaltiges Wirtschaften und Energie, innovative Arbeitswelt, gesundes Leben, intelligente Mobilität und zivile Sicherheit machen soll. Viele seiner Eindrücke teile ich.

18 Jahre Innovationserfahrung in großen und kleinen Unternehmen zeigen mir, dass die Angst vor dem Neuen viele gute Ideen verhindert. Dass Change Management für viele Chefs ein Fremdwort ist. Dass Kreativität in Strukturen, stundenlangen Meetings und ellenlangen Entscheidungsprozessen erstickt wird.

Innovation? Nein, danke! Nicht mehr so. Lassen Sie uns damit aufhören. Ich plädiere dafür, einen neuen Pragmatismus ins Land zu holen. Nennen wir es einfach nicht mehr Innovation, denn die „German Angst“ lässt die vielen kleinen Ideenpflänzchen eingehen, sobald dieses Wort fällt. Nennen wir es: PPLS für Pragmatische Problemlösungsstrategie oder SEE für Spinner Erhöhen Effizienz oder AUU für Angstfreie Unmittelbare Umsetzung oder AMDB für Aufhören mit dem Bedenkentragen….?

Ja, Sie haben richtig gelesen: Innovation? Nein, danke! Good bye komplizierte Prozesse. Herzlich willkommen Effizienz! Legen Sie einfach los. Alleine oder mit Ihrem Team. Problem finden, lösen, Lösung umsetzen. Gleich, sofort, jetzt. Mutig. Beherzt. Mit dem Ohr am Kunden.

In den vergangenen Jahren habe ich einige dieser Prozesse begleitet. Das Setup: Die an der Fragestellung Beteiligten in einer kreativen Umgebung, eineinhalb Tage Zeit und Impulse aus meinem Methodenkoffer der Kreativtechniken. Das Ergebnis: Weder 20 frustrierende Meetings und Positionspapiere, noch Protokolle und Nullergebnisrunden durch Tunnelblick und Branchenblindheit. Stattdessen: Ein motiviertes Team, unglaubliche Kreativität durch neue Rahmenbedingungen, ein umsetzbares, von allen Seiten befürwortetes Ergebnis am Ende dieses Prozesses, das gleich in die Praxis umgesetzt werden kann.

Das ist es, was wir in der Wirtschaft hundertfach jeden Tag brauchen: Mut. Mut, neue, kurze Wege zu gehen. Mut aus dem Oberjammergau herauszukommen. Mut, den Kunden in den Mittelpunkt zu stellen und nicht das eigene Unternehmen. Mut, etwas zu Tun und nicht nur darüber zu reden.

Wie denken Sie darüber?