Wie man die Chancen der digitalen Transformation nutzt


Ein neues Büro in Berlin und ein neues Veranstaltungsformat: Die Amazon Academy brachte am 11. Juni 2015 Marketplace-Händler, Selfpublisher, Softwareentwickler, Wissenschaftler, Optimisten, Innovatoren und Experten zusammen, um Ideen und provokante Gedanken zu diskutieren. In den Vorträgen gab es eine Vielzahl von Impulsen dazu, wie wir Altes neu denken können und wie sich Hürden für Innovationen beseitigen lassen. Und ich mittendrin!

Das neue Amazon Büro, in dem 450 neue Arbeitsplätze entstehen werden, wurde durch Berlins Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer, Amazon-Deutschland-Chef Ralf Kleber sowie Amazon-Chef-Entwickler Deutschland Ralf Herbrich eröffnet. Die Veranstaltung war weit mehr als eine Einweihungsfeier und wurde im neuen Format der Amazon Academy gestaltet, die eine Plattform für Kunden wie Start-ups und E-Book-Autoren für den Ideenaustausch und die Entwicklung innovativer Konzepte und neuer Geschäftsmodelle bot.

Die Keynote mit dem Thema „Spinnen ist Pflicht: Die Kunst der Innovation“ – das war mein Part. Auch wenn es um die digitale Zukunft ging, so habe ich über ein sehr analoges und gelungenes Beispiel für Innovationsprozesse aus dem Jahr 1492 gesprochen: Die Expedition von Christoph Kolumbus. Sie funktionierte nach dem Motto „Learning by Lossegeln!“, ein Vorbild für das Innovationsverhalten aller heutigen Unternehmen: Weg von der Angst vor Veränderung, weg von Sicherheits- und Kontrolldenken. Hin zu Expeditionen mit neugierigen, mutigen Kapitänen, die Neuland finden wollen!

Anschließend moderierte ich die Podiumsdiskussion unter dem Motto „Zukunft der Möglichkeiten“. Auf dem Podium: Blogger Richard Gutjahr, Geschäftsführer des IfH Köln, Kai Hudetz, die Forschungsleiterin des Gottlieb Duttweiler Instituts Karin Frick sowie Amazon-Deutschland-Chef Ralf Kleber.

Einen Eindruck von der Veranstaltung zeigt das Video oben. Meine persönlichen Highlights:
Selfpublishing ist toll!
• Die Digitalisierung zieht einen grundlegenden Wandel in allen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bereichen nach sich.
• Die Wertschöpfungsketten werden sich radikal durch die Digitalisierung verändern.
• Der Gründergeist regiert in Deutschlands Hauptstadt: In Berlin wird alle 20 Stunden ein neues Start-up gegründet!

Was bedeutet das für Ihr Business?

Open Innovation Sommerzirkel 2014 – Teil 2: Erfolgsgeheimnis Co-Creation

Open Innovation Sommerzirkel 2014 – Teil 2: Erfolgsgeheimnis Co-Creation

Sag mir wo Du hinwillst, dann zeig ich Dir den Weg – diese Navigation ermöglichte den Innovatoren auf dem Open Innovation Sommerzirkel 2014 der Vortrag von Martina Schwarz-Geschka, Partner und Senior Consultant bei der Geschka & Partner. Die Spezialistin für Szenarien stellte uns diese Grundlage für die mittel- bis langfristige Strategieentwicklung und -überprüfung für Unternehmen vor. Anschließend konnten wir Co-Creation live ausprobieren und genießen.

Szenarien liefern wichtige Ansatzpunkte für Entscheidungen über eine Technologie- und Innovationsstrategie, die Suche nach neuen Geschäftsfeldern sowie zu großen Investitionen. Die Szenariotechnik ist ein Instrument der Zukunftsanalyse. 1976 von Prof. Geschka und Mitarbeitern beim Battelle-Institut entwickelt, wird sie seitdem permanent weiterentwickelt und verbessert. Mit ihrer Hilfe werden alternative, konsistente Zukunftsbilder für ein bestimmtes Thema erstellt. In einem komplexen und dynamischen Unternehmensumfeld liefern Szenarien eine wichtige Orientierung für strategische Überlegungen und helfen, Unsicherheiten über zukünftige Entwicklungen und damit die Gefahr von Fehlentscheidungen zu reduzieren.

Um einen Eindruck zu bekommen, wie man mit der Szenariotechnik arbeiten kann, stellte Martina Schwarz-Geschka den OISZ-Besuchern die Aufgabe, ein Szenario rund um das Thema „Wissensmanagement 2030“ zu entwickeln. Sie untersuchten die Aspekte Gesellschaft, Technologie, Wirtschaft sowie Politik und Gesetzgebung.

Co-Creation am Grill
Nach so viel Inspiration verlegten wir die Innovationsarbeit an den Grill und bereiteten anhand der Pico-Job Methode von innosabi in Co-Creation-Manier köstliche Grillgerichte und Soßen nach den Lieblingsrezepten der Grill-Community zu.

Die Pico Jobs sind eine Methode, die in der Plattform innosabi crowd als “Crowd Supercharger” zum Einsatz kommt. Pico Jobs sind sehr kleine Aufgaben, die aus dem Produkt- und Serviceentwicklungsprozess abgeleitet werden und von einer großen Menge Kunden, Nutzer und Konsumenten über das Internet bearbeitet werden.

Die innosabi GmbH – Sponsor unseres Grillabends – ist ein Anbieter von Crowdsourcing- und Open Innovation Software und begleitenden Dienstleistungen. Dabei helfen innosabis Leistungen, Innovationsprozesse für externes Wissen zu öffnen und so das Floprisiko neuer Produkte zu senken. innosabis Kunden kommen aus den verschiedensten Branchen, z.B. HARIBO, dm-drogerie markt oder EDEKA. Darüber hinaus betreibt innosabi Deutschlands größte Produktentwicklungscommunity für die Konsumgüterindustrie unserAller. innosabi wurde 2011 durch das Wirtschaftsministerium mit dem Preis IKT-innovativ als innovativstes IKT StartUp ausgezeichnet.

Dass Co-Creation – also die Strategie, die Kunden nicht nur als passive Konsumenten zu sehen, sondern sie zu Wertschöpfungspartnern zu machen, indem sie Produkte oder Dienstleistungen mitgestalten und teilweise sogar deren Entwicklung und Herstellung bestimmen oder übernehmen – funktioniert, hat dieser Grillabend eindrücklich bewiesen: Fleisch, Soßen und Beilagen waren ein Gedicht und das gemeinsame marinieren, rühren und brutzeln knüpfte ganz neue Verbindungen.

Unterstützt wurden wir unser Co-Creation Barbeque von den Salzburger Stiergrillern  und den Grills der Firma COBB, die eines ihrer tollen Grillgeräte für eine Verlosung stifteten. Vielen Dank noch einmal dafür!

Wo haben Sie Co-Creation schon einmal ausprobiert?

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Das Unternehmen neu erfinden – Sommerzirkel-Interview mit Dieter Lagois

Das Unternehmen neu erfinden – Sommerzirkel-Interview mit Dieter Lagois

Längst hat sich die Erdgas Südwest vom reinen Erdgasversorger zum regionalen Energiepartner entwickelt, der alles aus einer Hand anbietet. Das Unternehmen geht neue Wege mit modernster Technik und innovativen Ideen. Heute beleuchten wir im Gespräch mit Dieter Lagois, Leiter Vertrieb und Zentrales Energiemanagement der Erdgas Südwest GmbH, wie man einen Rahmen dafür schafft, ein Unternehmen neu zu erfinden.

Wie sehen die Energiekonzepte der Zukunft aus? Worüber sollte ein Energieversorger heute nachdenken, um morgen die richtigen Angebote zu machen? Dieter Lagois arbeitet mit seinem Team an neuen Geschäftsmodellen und Ideen rund um das Thema Energie, die die Kunden von morgen glücklich machen. Die Initiatorinnen des Open Innovation Sommerzirkels (OISZ) 2014 – Birgit Heinermann und Anke Meyer-Grashorn – haben sich mit Dieter Lagois darüber unterhalten, wie sich das Unternehmen neu aufstellt, um den Zukunftsanforderungen gewachsen zu sein.

Herr Lagois, Sie geben uns beim Open Innovation Sommerzirkel einen Einblick in Ihre Zukunftsarbeit und stellen im Rahmen des Workshops „Geschäftsmodelle“ auch Ihre Ideen zur Diskussion. Welche Themen beschäftigen Sie und die Energie Südwest aktuell am meisten?
Dieter Lagois: „Die Unternehmenszukunft von Erdgas Südwest wird stark bestimmt von völlig neuen energiepolitischen Rahmenbedingungen. Da ist zum einen das Energiekonzept der Bundesregierung, das vorsieht, dass bis 2030 der Anteil erneuerbarer Energien am Bruttoendenergieverbrauch 30% beträgt. Zudem soll die Sanierungsrate für den gesamten Gebäudebestand auf jährlich 2% verdoppelt werden. Dazu kommt der nationale Energieeffizienz Allokationsplan: Er sieht eine Reduktion des Wärmebedarfs des Gebäudebestands bis 2050 um 80% vor. Ziel ist es, bis 2050 einen nahezu klimaneutralen Gebäudebestand zu haben. Die in Deutschland noch nicht verankerte EU-Richtlinie über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden sieht darüber hinaus vor, dass ab 2020 alle neuen Gebäude Niedrigstenergiegebäude – annähernd Passivhausniveau – sein werden. Häuser werden also in absehbarer Zeit deutlich weniger Wärmeenergie benötigen.
Dazu kommt ein verändertes Kundenverhalten mit neuen Anforderungen: Die Kunden wollen mitmachen, fordern Selbstbestimmung. Das belegt die wachsende Zahl der Bürgerenergiegenossenschaften, die die Energieproduktion selbst in die Hand nehmen. Ganz oben bei den Kundenwünschen steht zudem Simplizität, insbesondere bei den Online-Services. Wird es zu kompliziert, steigen die Kunden aus.
Worauf wir uns auch einstellen, ist der Prosumer-Ansatz: Kunden sind nicht mehr nur Konsumenten, sondern z.B. mit der Photovoltaikanlage auf dem Dach auch Produzenten. Kunden können sich in absehbarer Zeit selbst mit Energie versorgen.
Diese Veränderungen erfordern eine Erneuerung unseres Geschäftsmodells: Wir bieten jetzt autarke Energielösungen in Gemeinden und Kommunen an und ermöglichen Autarkie im B2C-Bereich. Wir entwickeln nachhaltige Energielösungen, die Ökologie, Ökonomie und partnerschaftlichen Umgang in Einklang bringen. Wir konzentrieren uns darauf, Energie von hier anzubieten und damit Unabhängigkeit von Energie- und Rohstoffimporten zu ermöglichen.
Sie sehen: Die Erdgas Südwest ist dabei, sich neu zu erfinden – unter Einbindung unendlicher Kreativität: Wir beziehen nicht nur Kunden, sondern auch Internetuser in die Produktentwicklung ein über Crowd Sourcing und Co-Creation.“

Aus Ihrer Erfahrung: Benötigen Innovationsteams besondere Arbeitsumgebungen, um erfolgreich zu sein?
Dieter Lagois: „Die Arbeitsumgebung ist ein Mosaikstein für innovatives Arbeiten und kann den Innovationsprozess unterstützen. Die Umgebung kann wie ein Katalysator wirken und bildet eine unterstützende Komponente im Innovationsprozess. Spezielle Arbeitsumgebungen und Perspektivenwechsel haben sich als förderlich erwiesen. Nichtdestotrotz wurden auch schon gute Ideen in klassischen Arbeitsumgebungen, also im Büro und Besprechungsraum, geboren.“

Welche Rolle spielt das Arbeitsumfeld, um kreative Prozesse, thinking out of the box etc. anzustoßen?
Dieter Lagois: „Die wichtigste Frage lautet: Welche Unternehmenskultur ist im Arbeitsumfeld eingebettet? Ist Querdenken erlaubt? Sind neue Ideen gewünscht und werden diese aufgenommen und weiterverfolgt? Wird Mut zu Neuentwicklungen und Vermarktung belohnt? Welche Bedeutung wird dem Thema Innovation im Unternehmen beigemessen, wenn es um Perspektiven, Zeit, Budget und das Erstellen einfacher Dieter Lagoisgeht?“

Gibt es dazu in Ihrem Unternehmen Beispiele?
Dieter Lagois: „Wir veranstalten regelmäßig die Erdgas-Südwest-Innovationstage an unterschiedlichen Locations, damit wir aus der gewohnten Umgebung herauskommen. Dann gibt es Innovationsworkshops mit Kunden, sowohl bei der Erdgas-Südwest als auch beim Kunden. Wichtig ist, dass Innovation unkompliziert ist: Mitarbeiter können jederzeit spontane Einladungen zur bereichsübergreifenden Entwicklung von Ideen und Lösungsvorschlägen aussprechen.“

Welche Bedeutung hat für Sie als Innovationsverantwortlicher die Arbeit mit Trends und anderen Zukunftsinstrumenten für den Innovationsprozess und die Innovationsqualität?
Dieter Lagois: „Zuerst möchte ich vorausschicken: Ich bin nicht DER Innovationsverantwortliche im Unternehmen, sondern alle Mitarbeiter haben diese Rolle.
Meine Kernfrage Nummer eins lautet: Wie erkenne ich rechtzeitig neue Trends? Dazu haben wir die Innovation in den Zielvereinbarungen verankert und sorgen dafür, dass wir disziplinübergreifend – einzeln oder als Team – teilnehmen an unterschiedlichen Seminaren und Kongressen. Dazu kommen die klassische Medienrecherche und Marktforschung sowie die Analyse des Feedbacks der Kunden sowie der Kundenbetreuer.
Meine Kernfrage Nummer zwei lautet: Möchte ich diesem Trend folgen? Hier selektieren wir nach sachlogischen Verfahren, also anhand einer Bewertungsmatrix und wir betreiben Innovations- und Marktforschung. Und weil sich nicht alles rational beurteilen lässt, ist für uns auch Intuition ein Kriterium, einen Trend zu bewerten.
Die Klärung dieser beiden Fragen wirkt sich signifikant auf den Innovationsprozess und seine Qualität aus. Qualität fängt immer am Anfang an. Und dann gibt es auch noch die Möglichkeit, Märkte selbst zu erschaffen mit Produkten, die heute noch niemand kennt!“

Wie wichtig sind „Querdenker“ in Ihrem Team?
Dieter Lagois: „Gibt es tatsächlich noch Leute, die glauben, Querdenker seien unwichtig?“

Wie halten Sie Mitarbeiter mit Potential/Leistungsträger in Ihrem Team/Unternehmen?
Dieter Lagois: „Wir erstellen für jeden Mitarbeiter ein persönlichen Entwicklungsplan. Dann sorgen wir für kulturelle Attraktivität und bieten große Freiräume zur Umsetzung neuer Ideen, die Übertragung von Verantwortung und sehr einfache Entscheidungsprozesse. Unser Ziel ist es, sinnstiftend in allem was wir tun zu sein, hohe Kollegialität und einen offenen Umgang in einer tollen Arbeitsumgebung zu pflegen. Das Wichtigste ist ein hoher Entfaltungsspielraum: Gestalter und Macher sind bei uns willkommen!“

Warum nehmen Sie am diesjährigen Open Innovation Sommerzirkel teil?
Dieter Lagois: „Für mich ist es wichtig, mein branchenübergreifendes Netzwerk zu erweitern sowie neue Produktimpulse und aktuelle Trendinfos zu erhalten.“

Worauf freuen Sie sich am meisten?
Dieter Lagois: „Auf den Austausch mit vielen netten und kreativen Menschen!“

Vielen Dank!

Hintergrundinformation Dieter Lagois:
Dieter Lagois verfügt über eine Ausbildung zum Kommunikationselektroniker (Telekom) und ein Studium zum Dipl.-Oecotroph. Nach einem Traineeprogramm bei der EnBW war er dort als Account Manager B2B, Einkaufscontroller, Einkaufsleiter, Niederlassungsleiter der Vertriebsniederlassungen Karlsruhe und Frankfurt sowie zuletzt als Leiter Key Account Management für Stadtwerke, Industriekunden und Vertriebsmarketing tätig. Bei Erdgas-Südwest ist er Leiter des Vertriebs und ist verantwortlich für die Bereiche B2B, B2C, Zentrales Energiemanagement (Portfoliomanagement, Energieeinkauf, Energielogistik) sowie Marketing.
www.erdgas-suedwest.de

Über Bierdeckel mit guten Ideen und beleuchtete Gehirne im Einmachglas – Sommerzirkel-Interview mit Andrew Muirhead

Über Bierdeckel mit guten Ideen und beleuchtete Gehirne im Einmachglas – Sommerzirkel-Interview mit Andrew Muirhead

Innovationsgespür pur – dafür steht Andrew Muirhead, Leiter der Product Division für Original Equipment Innovation bei der Lufthansa Technik AG. Auch dieses Jahr wird er wieder den Open Innovation Sommerzirkel besuchen. Wir haben mit ihm darüber gesprochen, was er von der Veranstaltung mitnimmt, welche Innovationskultur er etabliert hat und warum Innovation nicht am Schreibtisch stattfindet.

Gute Ideen rund ums Fliegen – dafür steht die Lufthansa. Dass die Lufthansa Technik auch ein Hersteller ist, der zusätzlich die Flugkabinen anderer Fluglinien mit innovativem Innenleben ausstattet, weiß nicht jeder. Im Geschäftsbereich „Original Equipment Innovation“ bei der Lufthansa Technik in Hamburg sind rund 120 Mitarbeiter unterschiedlichster Disziplinen mit der Entwicklung und Produktion von Kabinen-Produkten betraut. Dazu gehören z.B. Systeme wie nice, niceview, GuideU, die nächste Generation selbstleuchtender Fluchtwege-Markierungssysteme, eine Patient Transport Unit (PTU), ein W-LAN Router, der fliegend schneller und unkomplizierter arbeitet als die meisten Netzwerke am Boden oder HelioJet, ein Lichtsystem mit qualitätsstabiler LED-Technologie.

An der Spitze dieses Teams steht Chefinnovator Andrew Muirhead. Den Open Innovation Sommerzirkel (OISZ) besucht er 2014 schon zum dritten Mal und da wollten Birgit Heinermann und Anke Meyer-Grashorn, die beiden Frauen hinter dem OISZ, einmal von ihm wissen, warum das so ist:

Was ist für Sie das Besondere am Open Innovation Sommer Zirkel?
Andrew Muirhead: „Networking mit Menschen aus ganz unterschiedlichen Bereichen, die mit Innovation zu tun haben und sich mit neuen Themen und Geschäftsmodellen auseinandersetzen wollen. Für mich ist der Blick über den Tellerrand ganz wichtig, sonst bleibt man zu sehr den Themen und Lösungen aus der eigenen Branche verhaftet. Beim Sommerzirkel erhalte ich immer schnell ganz neue Einblicke und viele gute Anstöße für meine Arbeit.“

Was unterscheidet diese Veranstaltung von anderen Innovationsveranstaltungen?
Andrew Muirhead: „Der Sommerzirkel ist informeller, die Gespräche sind lockerer, offener. Im Anzug verhalte ich mich anders als in Jeans und T-Shirt. Ich würde sagen, der OISZ bietet mir Brainstorming im Gegensatz zum formellen Austausch auf anderen Veranstaltungen.“

Welche Bedeutung hat für Sie als Innovationsverantwortlicher die Arbeit mit Trends und anderen Zukunftsinstrumenten für den Innovationsprozess und die Innovationsqualität?
Andrew Muirhead: „Sehr wichtig! Zwei Faktoren spielen dabei für uns eine wichtige Rolle: Zum einen ist es für die langfristigen Innovationen wichtig, die Trends im Markt zu kennen, damit wir nicht an den Bedürfnissen von morgen vorbeientwickeln. Am wichtigsten ist für uns jedoch, dass wir den zweiten Faktor, die unmittelbaren ‚Customer Pains‘, also die Bedürfnisse unserer Kunden, kennen. Nur wenn wir wissen, was unsere Kunden heute und morgen brauchen, können wir ihre Bedürfnisse antizipieren und die passenden Produkte entwickeln.“

Wie wichtig sind „Querdenker“ in Ihrem Team?
Andrew Muirhead: „Sehr wichtig! Dabei schätzen wir eine gute Mischung aus Querdenkern und Menschen, die an Prozessen entlang denken können. Da Sicherheit für uns ein sehr wichtiger Aspekt ist, wären 100% Querdenker im Team eine Herausforderung. Wir brauchen die Querdenker, die das Traditionelle, Konservative durchbrechen und unser Universum erweitern und wir brauchen die Prozessdenker, die eine sichere Lösung auf den Weg bringen!“

Wie halten Sie Leistungsträger in Ihrem Team?
Andrew Muirhead: „Wir pflegen eine Umgebung, bei der Begeisterung im Vordergrund steht. Wer eine Idee hat, ist auch gleichzeitig verantwortlich dafür, sie umzusetzen: Ideengeber = Ideenbesitzer. Gerade Ingenieure sind Feuer und Flamme für dieses Prinzip, denn es bedeutet, dass sie sich neue Aufgaben selbst schaffen können und nicht jahrelang den gleichen Job machen müssen.“

Gibt es so etwas, wie eine Innovationskultur in Ihrem Unternehmen?
Andrew Muirhead: „Unsere Innovationskultur geht weit über das betriebliche Vorschlagswesen zur Verbesserung von Prozessen, das es bei uns natürlich auch gibt, hinaus. Sie beginnt beispielsweise bei der Ideensammlung nach dem Bierdeckel-Prinzip. Auf der einen Seite des Bierdeckels steht ‚What’s the pain?‘, auf der anderen ‚What’s to gain? Die beiden Grundannahmen dieses Prinzips: Die meisten wirklich guten Ideen wurden auf Servietten und Bierdeckeln festgehalten und wenn man eine Idee nicht kurz auf einem Bierdeckel erklären kann, ist sie nicht gut. Vor meinem Büro steht ein Bierfass, in das alle Mitarbeiter die Bierdeckel einwerfen können und das jede Woche geleert wird. Unsere Innovationskultur ist wirklich umfassend und reicht bis hin zu einer Wandertrophäe – dem ‚Brain of the year‘, das sich verdiente Ideenfinder ein Jahr lang auf ihren Schreibtisch stellen können.
Brain of the year

Aus Ihrer Erfahrung: Benötigen Innovationsteams besondere Arbeitsumgebungen, um erfolgreich zu sein?
Andrew Muirhead: „Natürlich! Unsere Abteilung wurde 2002 gegründet. Wir kamen aus einem klassischen Bürogebäude mit geschlossenen Einheiten. Dann haben wir uns nach einem alten Gebäude umgesehen und dieses rund um unsere Innovationsprozesse gestaltet. Die neuen offenen Räume veränderten die Kommunikation enorm. Wir haben jetzt keine Meetingräume mehr, sondern Brainstorming-Räume mit bequemen Sitzecken. Das Informelle ist für uns ganz wichtig, denn in diesem Ambiente entstehen wertvolle Ideen. Wir haben zudem Rückzugsräume eingerichtet, wenn mal jemand im Stillen über etwas nachdenken will. Und wir haben Bastelzimmer im Angebot, weil wir glauben, dass Innovation nicht am Schreibtisch stattfindet. Denn wir haben die Erfahrung gemacht, dass die echten Ingenieure die sind, die etwas bauen und erschaffen wollen. Und dafür brauchen sie ein geeignetes Umfeld – fernab von Telefon, PC und Standard-Schreibtisch.“

Was glauben Sie, welcher Trend wird Ihre berufliche Zukunft am meisten beeinflussen?
Andrew Muirhead: „In der Luftfahrtbranche ist Mobilität unser Kerngeschäft. Ich glaube, dass der Konzept der ‚Connected Global World‘ unser Geschäft sehr stark prägen wird. Die Menschen sind heute mit ihren Tablets und Smartphones in der Lage, mobil zu arbeiten und können auf unterschiedlichsten Wegen zu den Informationen kommen, die sie benötigen. Für uns stellt sich natürlich die Frage, welche Erwartungen unsere Passagiere entlang der Reisekette haben, mit welchen Geräten sie wann wo und wie auf welche Daten zugreifen wollen. Schon heute drehen sich ca. 30 bis 40% unserer Innovationsprojekte rund um dieses Thema!“

Vielen Dank!

Hintergrundinformation Andrew Muirhead:
Andrew Muirhead ist seit 2014 Leiter der Product Division Original Equipment Innovation bei der Lufthansa Technik AG, verantwortlich für die Entwicklung und Herstellung von sämtlichen Luftfahrtbauteilen, die die LHT selbst herstellt. Davor war er von 2003 bis 2013 Director Business Unit Innovation, verantwortlich für die Entwicklung und Herstellung von LHT hergestellten Kabinensystemen. Von 1999 bis 2002 war er als Section Manager Engineering zuständig für die Installation und Zulassung von Kabinensystemen. Davor war er als Entwicklungsingenieur im Bereich Avionik und als Unternehmensberater bei Andersen Consulting tätig.
Andrew Muirhead hat Avionics Engineering an der RMIT University in Australien studiert.