Vergessen Sie das mit der Innovation!

Gerhard Matzig veröffentlichte am 6. September 2014 für die SZ einen Artikel unter dem Titel „Wir Neobiedermeier“. Er beschreibt Deutschland als ein „Oberjammergau der Bedenkenhaftigkeit“, als einen „querulatorischen Hort der Fortschrittsfeindlichkeit und Zukunftsverweigerung“. Er schreibt das, weil Forschungsministerin Johanna Wanka vor Kurzem eine Initiative vorgestellt hat, die Deutschland zum Innovationsweltmeister in den Bereichen digitale Wirtschaft und Gesellschaft, nachhaltiges Wirtschaften und Energie, innovative Arbeitswelt, gesundes Leben, intelligente Mobilität und zivile Sicherheit machen soll. Viele seiner Eindrücke teile ich.

18 Jahre Innovationserfahrung in großen und kleinen Unternehmen zeigen mir, dass die Angst vor dem Neuen viele gute Ideen verhindert. Dass Change Management für viele Chefs ein Fremdwort ist. Dass Kreativität in Strukturen, stundenlangen Meetings und ellenlangen Entscheidungsprozessen erstickt wird.

Innovation? Nein, danke! Nicht mehr so. Lassen Sie uns damit aufhören. Ich plädiere dafür, einen neuen Pragmatismus ins Land zu holen. Nennen wir es einfach nicht mehr Innovation, denn die „German Angst“ lässt die vielen kleinen Ideenpflänzchen eingehen, sobald dieses Wort fällt. Nennen wir es: PPLS für Pragmatische Problemlösungsstrategie oder SEE für Spinner Erhöhen Effizienz oder AUU für Angstfreie Unmittelbare Umsetzung oder AMDB für Aufhören mit dem Bedenkentragen….?

Ja, Sie haben richtig gelesen: Innovation? Nein, danke! Good bye komplizierte Prozesse. Herzlich willkommen Effizienz! Legen Sie einfach los. Alleine oder mit Ihrem Team. Problem finden, lösen, Lösung umsetzen. Gleich, sofort, jetzt. Mutig. Beherzt. Mit dem Ohr am Kunden.

In den vergangenen Jahren habe ich einige dieser Prozesse begleitet. Das Setup: Die an der Fragestellung Beteiligten in einer kreativen Umgebung, eineinhalb Tage Zeit und Impulse aus meinem Methodenkoffer der Kreativtechniken. Das Ergebnis: Weder 20 frustrierende Meetings und Positionspapiere, noch Protokolle und Nullergebnisrunden durch Tunnelblick und Branchenblindheit. Stattdessen: Ein motiviertes Team, unglaubliche Kreativität durch neue Rahmenbedingungen, ein umsetzbares, von allen Seiten befürwortetes Ergebnis am Ende dieses Prozesses, das gleich in die Praxis umgesetzt werden kann.

Das ist es, was wir in der Wirtschaft hundertfach jeden Tag brauchen: Mut. Mut, neue, kurze Wege zu gehen. Mut aus dem Oberjammergau herauszukommen. Mut, den Kunden in den Mittelpunkt zu stellen und nicht das eigene Unternehmen. Mut, etwas zu Tun und nicht nur darüber zu reden.

Wie denken Sie darüber?