Zukunft ohne Glaskugel – Sommerzirkel-Interview mit Martina Schwarz-Geschka

Heute ist morgen schon gestern – so lautet das Motto unseres Themenblocks Nr. eins beim Open Innovation Sommerzirkel 2014. Eine der Referentinnen: Martina Schwarz Geschka. Sie ist als Partner und Senior Consultant bei der Geschka & Partner Unternehmensberatung Spezialistin für Szenarien für Großunternehmen, mittelständische Unternehmen und Institutionen. Wir haben mit ihr darüber gesprochen, warum sich Unternehmen ein Bild von ihrer Zukunft machen sollten.

Szenarien sind eine wichtige Grundlage für die mittel- bis langfristige Strategieentwicklung und -überprüfung für Unternehmen. Sie liefern wichtige Ansatzpunkte für Entscheidungen über eine Technologie- und Innovationsstrategie, die Suche nach neuen Geschäftsfeldern sowie zu großen Investitionen.

Die Szenariotechnik ist ein Instrument der Zukunftsanalyse. 1976 von Prof. Geschka und Mitarbeitern beim Battelle-Institut entwickelt, wird sie seitdem permanent weiterentwickelt und verbessert. Mit ihrer Hilfe werden alternative, konsistente Zukunftsbilder für ein bestimmtes Thema erstellt. In einem komplexen und dynamischen Unternehmensumfeld liefern Szenarien eine wichtige Orientierung für strategische Überlegungen und helfen, Unsicherheiten über zukünftige Entwicklungen und damit die Gefahr von Fehlentscheidungen zu reduzieren.

Diese Szenarien werden auf dem Open Innovation Sommerzirkel (OISZ) 2014 ein wichtiges Thema sein. Die Initiatorinnen des OISZ – Birgit Heinermann und Anke Meyer-Grashorn – haben sich mit Martina Schwarz-Geschka über ihren Vortrag unterhalten:

Was ist für Sie das Besondere am Open Innovation Sommerzirkel?
Martina Schwarz-Geschka: „Ich habe bisher ja noch bei keinem Open Innovation Sommerzirkel mitgemacht. Aber die Bilder, die ich gesehen habe, sind vielversprechend: Eine tolle Location, eine gänzlich andere Atmosphäre, z.B. mit Lagerfeuer und Aufderwiesesitzen, und Teilnehmern, die sehr offen sind und Spaß haben beim Austausch mit ‚Artgenossen‘. Nicht zu vergleichen mit der Atmosphäre in einem Konferenzhotel! Dazu interessante Vorträge von hochkarätigen Referenten. Ein Szenario, auf das ich persönlich sehr gespannt bin!“

Welche Bedeutung hat die Arbeit mit Trends und anderen Zukunftsinstrumenten für den Innovationsprozess und die Innovationsqualität von Unternehmen?
Martina Schwarz-Geschka: „Im Innovationsmanagement werden Entscheidungen für die Zukunft getroffen, man ist verantwortlich für die Produkte und Dienstleistungen der Zukunft – eigentlich müsste man über die Bedeutung des Zukunftsbezugs gar nicht reden müssen. Gerade in den frühen Phasen des Innovationsprozesses, in denen wir beratend tätig sind – die strategische Ausrichtung eines Unternehmens und die Ideenfindung, -bewertung, und -auswahl, ist es sehr wichtig, mit zukunftsbezogenen Informationen zu arbeiten. Wir nutzen insbesondere die Szenariotechnik und die Arbeit mit Trends. Und wir merken, dass sich dieses Thema herausbewegt aus der klassischen F&E-Ecke: Auch beispielsweise Betriebsräte, das produzierende Gewerbe, New Business Development Abteilungen oder Dienstleister arbeiten mit unserer Szenariotechnik.“

Worum geht es in Ihrem Vortrag?
Martina Schwarz-Geschka: „Wir konstruieren Zukunftsbilder. Wir analysieren, was auf uns zukommt. Die Frage, welche Entwicklungen möglich sind, überlassen wir nicht der Glaskugel. Wir beschreiben verschiedene Zukunftsbilder. Wir beleuchten Chancen und Risiken, um besser auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein. In meinem OISZ-Vortrag werde ich die Methodik interaktiv vorstellen, das heißt, wir werden anhand eines Beispiels Zukunftsbilder zusammenpuzzeln. Und wir stellen uns Fragen: Wie komme ich zu Aussagen? Wie füge ich sie zusammen? Und was mache ich dann damit?“

Wie wichtig sind „Querdenker“ bei diesem Prozess?
Martina Schwarz-Geschka: „Querdenker sind sehr wichtig – sie bringen andere, neue Sichtweisen ein und können so ‚Denkroutinen‘, die wir alle haben, aufbrechen. Sie bringen Inspiration. Daher ist es mir auch wichtig, dass die Teams heterogen zusammengesetzt sind – Mitarbeiter aus verschiedenen Bereichen, mit unterschiedlichem Erfahrungshorizont, Geschlecht und Alter. Je breiter der Gedankenhorizont desto fruchtbarer sind die Ergebnisse für den Kunden.“

Was glauben Sie, welche Trends werden die Zukunft der Unternehmen in Deutschland am meisten beeinflussen?
Martina Schwarz-Geschka: „Da ist zum einen die Informations- und Kommunikationstechnologien als Querschnittstechnologie, die alle Bereiche – ob privat oder im Beruf – vernetzt und verändert, z.B. in Prozessen und Produktionsabläufen. In Deutschland wird sich zudem durch die demographische Entwicklung und die Veränderung der Altersstruktur ein gesellschaftlicher Wandel ergeben. Wenn im Zeitraum zwischen 2025 und 2030 die geburtenstarken Jahrgänge das Arbeitsleben verlassen werden, wird das zu einem enormen Erfahrungsverlust für die Wirtschaft führen. Die Integration ausländischer Arbeitskräfte wird viel Multikulti-Wissen von den Unternehmen verlangen. Verstärkt wird diese Anforderung durch die zunehmende Globalisierung und internationale Vernetzung. Dadurch werden sich Märkte, Prozesse und Unternehmensstrukturen verändern. Es wird dynamischer und globaler, die Szenarien werden komplexer. Ich kann nur allen Unternehmen raten, sich jetzt mit der Zukunft zu beschäftigen.“

Vielen Dank!

Zur Person Martina Schwarz-Geschka
Martina Schwarz-Geschka hat Betriebswirtschaftslehre in Gießen und Mannheim studiert. Anschließend war sie im Bereich Controlling/Marktforschung der BfG Bank AG in Frankfurt tätig (1992-1996). Seit 1992 arbeitete sie freiberuflich für die Geschka & Partner Unternehmensberatung und ist seit 1998 Partnerin der Gesellschaft. Durch die Projektleitung einer Reihe großer Szenariostudien hat sie umfassende Kompetenz in der Anwendung der Szenariotechnik aufgebaut. Neben der Beratung führt sie Trainings durch und ist Referentin der Zürich International Business School, Schweiz.